Mittwoch, 30. Juli 2008

Das Schreiben - Ohne Namen...

... kommt dieser Text daher. Im Folgenden werden Sie, meine Damen und Herren, eine Kurzgeschichte lesen, die ich, der Autor, vor einiger Zeit schreiben durfte; zwar nicht für mich, aber ich durfte sie schreiben - womit die Thematik auch nicht meine Entscheidung war. Da ich mich für äußerst schlecht darin halte, mir Namen aus den Fingern zu saugen (wobei das doch bei allem anderen so wunderbar klappt), habe ich mir einfach welche geklaut. Ich bitte das zu verzeihen, schließlich war es doch mehr eine halbherzige Arbeit.
Und vielen Dank an meine wichtigste Kritikerin.

Der Hausmeister in der Ecke des schummrig beleuchteten Kellerraumes arbeitete beschäftigt mit seinem Werkzeug an einer Rohrleitung, während die beiden Männer – der eine in Weiß, der andere in Schwarz – miteinander stritten.
„Das ist unmenschlich, das ist bestialisch, das ist…“, das Gesicht des Mannes in Weiß färbte sich wutrot. Er kam ins stocken. Es dauerte einen Moment bis er seine Fassung wieder innehatte. „Das können Sie einfach nicht tun.“, sagte er schließlich.
„Was ich tun kann, und was nicht, das ist nicht Ihre Sache. Ihre Sache ist es, den… nun ja, nennen wir sie Patienten, die Organe zu entnehmen – mehr nicht. Machen Sie Ihre Sache und machen Sie sie gut.“, der Mann in Schwarz war sich seiner Sache ziemlich sicher. „Mit der Zustellung und den anderen Formalitäten haben Sie nichts zu tun. Nichts.“ Das Wort „Nichts“ belegte er mit unüberhörbarer Schärfe.
Stille machte sich breit. Allein das Klackern des Hausmeisters, der sein Werkzeug nach beendeter Arbeit hastig in seinen Koffer stopfte und dann – ebenso hastig – den Raum verlies, durchbrach sie.
Der Mann in weiß, auf seinem glänzenden Namensschild an der Brust stand Raymond Garraty, war es, der das Schweigen nach qualvollen Minuten brach.
„Aber Sie können die Organe, die lebenswichtigen, Organe“, begann er, immer noch mit hochrotem Kopf. „nicht einfach wie Ware behandeln. Ein Herz ist keine Packung Kaugummi und eine Niere ist keine Schachtel Zigaretten. Herzen werden nicht hergestellt und Nieren nirgendwo angebaut. Es ist…“, er rang wieder nach den Worten, aber sie kamen nicht, wie er es wollte. „…unmenschlich Menschen aufgrund ihres Status und ihres Vermögens zu bevorzugen. Organe sind kein Ersatzmaterial. Es gibt viele Menschen, die sie wirklich brauchen, Menschen denen sie wirklich zustehen.“
Der Mann in schwarz, hätte er ein Namensschild gehabt, hätte Walter O’Dim darauf gestanden, lächelte ihn an. Sein Grinsen schien siegessicher, denn er wusste, dass er diese Diskussion ohnehin gewinnen würde.
„Wie ich schon sagte, Mr. Garraty, es ist nicht Ihre Sache. Wenn Sie es nicht machen, suchen wir uns einfach jemand anderen, der es tut. Wollen Sie ihren Job behalten, oder verlieren, Mr. Garraty?“ O’Dim sah Garraty durchdringen an. „Sparen Sie sich ihre Antwort. Ich kenne Sie. Es wundert mich, dass sie den Mut hatten, überhaupt anzusprechen, was Ihnen nicht passt. Und wenn es Ihnen nicht passt, ziehen Sie einfach etwas anderes an, Mr. Garraty. Aber nicht hier. Entweder sie führen ihre Arbeit fort, oder sie verschwinden.“ O’Dim drehte ihm den Rücken zu, bereit zu gehen oder einem letzten Wortschwall von Garraty entgegen zu treten. Dann drehte O’Dim sich aber noch einmal herum, um Garraty ein letztes, vernichtendes Schlusswort entgegenzufeuern. „Achja, damit Sie und ich uns verstehen. Vergessen sie Ihren lächerlichen Gedanken die Sache hier Publik zu machen. Sie haben doch nicht etwa Ihren Vertrag vergessen, der Sie anweist, kein sterbens Wörtchen über unsere Arbeit hier zu verlieren, oder Mr. Garraty? Nein, das denke ich nicht.“
In der Gewissheit, den kleinen grauen Mann mit seiner runden Brille genügend eingeschüchtert zu haben, machte Walter O’Dim nun endgültig kehrt und ging langsamen – und garantiert auch siegessicheren - Schrittes zur Tür.
Garraty hingegen, sah am Rücken von dem Mann in Schwarz vorbei, auf einen der metallenen Tische auf dem der Hausmeister wohl einen Schraubenzieher vergessen hatte. Er glänzte im fahlen Licht der Neonlampen, wie die einzige wahre Lösung. Und dann schlurfte Garraty im selben Schritt zu dem Tisch, wie der Mann in Schwarz immer noch zur Tür ging und war sich seines Sieges ebenso gewiss.


2 Kommentare:

M3r0 hat gesagt…

Könnte ein Teil eines tollen Krimis sein, schön geschrieben...

Anonym hat gesagt…

uhu ich werde erwähnt xD
ja alles was mich gestört hat hab ich ja shcon gesagt nech? xD

lg: cherrie