Sonntag, 16. November 2008

Das Schreiben - Wenn...

...die Welt erstarrt.

Fünftausend Lichtjahre von der Erde entfernt wabert der blaue Nebel eines sterbenden Sterns durch das schwarze Nichts des Universums. Mit sechshunderttausend Kilometern in der Stunde stößt der innere Kern des Sterns den Nebel ab. Diese enorme Expansion ist der Grund für eine unglaubliche Kälte innheralb des Nebels: minus 272 Grad Celsius, der kälteste Ort im Universum, nur ein Grad über dem totalen Nullpunkt.
Die Erde, zwei Pole. Der Südpol, die Antarktis. Unterteilt in Ost und West, getrennt durch das Transantarktische Gebirge. Weiße, absolute Eintönigkeit. Der tiefste Temperaturwert der Erde wurde hier in der Vostok-Station gemessen: minus 89,4 Grad Celsius.
Wenn jedoch, entgegen der globalen Erderwärung, eine zweite Eiszeit über unsere Welt hereinbricht, dann nicht, weil jener Nebel die Erde umhüllt, oder sich die eisigen Temperaturen des Südpols den Planeten einverleiben.
Wenn die Welt erstarrt, unter einem Teppich aus Eis begraben wird, dann sinkt die gefühlte Temperatur unter 1 Kelvin und die nüchterne Wahrheit des weißen Unglücks wird allumfassend.
Ausgangspunkt dieser schönen Unnötigkeit ist kein kosmisches Ereignis, kein geografischer Punkt auf einer Karte. Ausgangspunkt dieser hässlichen Notwendigkeit ist die fleischgewordene Mitleidlosigkeit: das menschliche Herz.
Die alte Frau wird aus ihrem täglichen Mittagsschlaf gerissen, als der Frost ihre Hauswand hinaufkriecht und die Fenster zum bersten bringt. Kein Schläfchen mehr in gewohnt geborgen-warmer Umgebung.
Der Gourmet verlernt das Schmecken, als sein Mahl zu gefrorenem Glas wird und ihm die Zunge im Mund zerspringt. Kein geschmacklicher Hochgenuss mehr mit der einst so kulinarisch fein gegliederten Zunge.
Unterhaltungen verpuffen in der frostigen Luft, Worte erfrieren, fallen zu Boden und klirren sinnlos auf vereisten Beton. Keine angeregten Diskussionen mehr im Kreise ausgewählter Gesellschaft.
Das Picknick im frühlingsschwangeren Wald hält für immer inne, als sich die gierige Winterkälte über den saftigen Waldboden frisst und die Decke zu einer Platte aus Kälte gefrieren lässt. Kein sinnliches Beisammensein mehr mit herzhaft gefülltem Korb.
Wenn die Welt erstarrt, erlischt die Seele im Weiß der Einsamkeit.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

mal davon abgesehen, dass die letzten 3 säütze einen wieder irgendwie aus einem unerfindlichen grund in die wirklichkeit zurückkatapultieren und ich das sehr doof finde und wenn da nur ein satz wäre hätte es ahrschienlich eine größere wirkung, finde ich diesen eintrag sehr sehr sehr wundervoll.
am tollsten finde ich die erfrierenden worte

foolish hat gesagt…

Auch wenn es dich nicht ganz zufriedenstellt: bittesehr.

Anonym hat gesagt…

dankesehr. is zwar auch nicht perfekt, aber besser